Nachtleben: The Underground

by Yussi Pick

On popular demand, wiedermal ein neuer Eintrag. Langsam wird alles normal. Und damit meine ich nicht nur die Wahsinnigkeiten, sondern auch meine Hingabe.
Das heißt aber nicht, dass die Dinge hier normal sind. Im Gegenteil.

Die erste Assoziation zu College ist wohl Parties und auch wenn diese Menschen hier sich wirklich in erster Linie den Arsch für ihre Bildung aufreißen, kommt diese Assoziation der Wirklichkeit sehr nahe. Das Beeindruckende ist nämlich, dass eine Party nicht aus der Nacht und dem Ausnüchtern am nächsten Tag besteht, sondern nur aus der Nacht. Am nächsten Tag wird gelernt, mit oder ohne Kater. Das Partyleben in Wooster läuft nach sehr stengen Regeln ab. Hier der Katalog. Die ersten drei Regeln sind als sogenannte Mittwochsregeln bekannt, die fünf weiteren als Freitags- oder Undergroundregeln und der überwiegend regelfreie Samstag wird lediglich von einer dominiert.

#1 Mittwoch ist der erste Partytag der Woche, bekannt als Woo Wednesday. Warum das so ist, weiß niemand so genau. Wahrscheinlich gehen die Gründe nicht über die Alliteration hinaus.


#2 Mittwochs wird in einer Studentenverbindung Bierpong gespielt. Dem Phänomen der Studentenverbindungen (und auch und im Besonderen Studentinnenverbindungen) muss ich einen eigenen Eintrag widmen, sobald ich genügend zu dem Thema recherhiert habe – mein Pokerturniersamstagabend war ein erster Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht genug. Ich selbst habe auch noch nie Bierpong gespielt, kann also nur auf den Wikipedialink verweisen. Interessantes Detail: Auch Mädchenverbindungen spielen Bierpong und haben ihren eigenen Bierpongtisch.

#3 Sollte man nicht Bierpong spielen, gilt es sich möglichst früh mit möglichst hartem Alkohol zu betrinken, damit genug Zeit zum ausnüchtern bleibt. Am Donnerstag sind schließlich Klassen.

#4 Man beginne Freitags so früh wie möglich mit dem Trinken, nicht weil man am Samstag früh aufstehen muss, sondern damit man länger betrunken ist.

#5 Man verlasse nie vor Mitternacht das Wohnheim, schließlich dürfen sich 2/3 der Menschen am Campus noch nicht legal betrinken.

#6 Man komme nicht vor Mitternacht auf die Idee, ins campuseigene Tanzlokal “The Underground” zu gehen. Auch nach Mitternacht sollte man zuerst sichergehen, dass schon Menschen dort sind. Sollten keine da sein, geht man erst garnicht (wie sich das Underground dennoch füllt, ist mir ein Rätsel)

#7 Im Underground tanze man zu schlechter Musik aus der schlechtesten Soundanlage, die jemals einem Menschen zu Ohren gekommen ist.

#8 Natürlich ist Hauptziel im Underground der Kontakt mit dem anderen Geschlecht. Sollte der Kontakt schon hergestellt sein, darf man auch mit seinem/seiner Partnerin gehen. Für diese Situation gelten besondere Regeln:

a) Mit PartnerIn tanzt man nicht, man grinded.

b) Sie drehe sich mit dem Rücken zu ihm, beuge sich, je nach belieben, aber um mindestens 45° und presse das Gesäß in seinen Schritt. Es ist in Ordnung, sich ab einem Winkel von 90° mit den Armen an seinen Knien abzustützen.

c) Sie schwinge das Gesäß möglichst rhytmisch.

d) Seine Aufgabe ist es, während dem Versuch, mit ihr in den selben Rhytmus zu kommen, möglichst wenig bescheuert auszusehen. Gelingt dies nicht, sollte man zumindest kein angestrengtes Gesicht dabei machen.

e) Der Rhytmus der Musik ist irrelevant.

f) Sollten FreundInnen vorbeigehen darf man sie grüßen, auch wenn es so wirkt, als würde man sich mitten im Coitus jemandem freundlich zuwinken.

#9 Samstagabend geht man nicht ins Underground.

#10 Party am Samstagabend heißt in 90% der Fälle(n? beides klingt falsch), alkoholische Getränke in einem Dormzimmer mit nicht mehr als 7 Menschen zu sich nehmen. Ist es eine “Dance Party” wird auf dem Bett getanzt.

Advertisements