Wir sind eure Hauptstadt, ihr Bauern.

by Yussi Pick

Mit Tränen in den Augen stand der sonst so emotionslose Texaner neben dem Tourguide in den Heiligen Hallen der Demokratie und lauschte der fünfundzwanzigsten Geschichte über einen tapferen Congressabgeordneten und Veteranen. Selbst der frühere High School Football Coach und jetzige Congress Tourguide gab zu, dass mit diesem amerikanischen Helden zu sprechen ihm Gänsehaut bereitete. (“Right” platzte es aus dem Texaner mit kräftiger, aber vor Rührung zitternder Stimme heraus). In Washington ist man stolz. Washington ist Amerika und Demokratie. Washington ist Stärke und Militär. Washington ist Weisheit und Ruhe.
Nach nur zwei Tagen in Washington finde ich es auch gar nicht mehr absurd, dass hier in der Lobby des Marriott Renaissance Hotels (1) lauter Uniformierte rumlaufen, weil die gerade einen Ball haben. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich in eine Militärspezialführung geraten bin, als ich heute Vormittag statt langweiligen Vorträgen zu lauschen, das Capitol besucht habe. Nachdem drei meiner Mitgeführten ehemalige oder dienende Militärs waren, hat der Tourguide die Führung umgewidmet. Die obligatorische “Thanks for serving our country. We are free because you go abroad and fight for freedom. While we are the ones who lay back and enjoy the freedom, you fight for it. You are the reason, we are the greatest coutry in the world. You freed us from British suppression (2), you freed the world in World War II and you keep us free. Every day. Thank you.” Es ist nicht das erste Mal, dass ich diese oder eine ähnliche Rede gehört habe. Tatsächlich gehen sogar Amis auf Uniformierte zu und bedanken sich. Einfach so. Auf offener Straße.
Hab ich erwähnt, dass ich mich neulich dabei erwischt habe, dass sich meine Lippen zu Star Sprangled Banner bewegt haben?
God bless you and your family and may god bless the United States of America.

(1) In dieser bescheidenen Herberge residiere ich gerade. 4 Pölster zieren mein Bett und ich bekomme Erbeeren zum Frühstück. Im Dezember.
(2) Schon ein bissl nachtragend.

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