If you are experiencing a life threatening emergeny, please hang up and dial 911

by Yussi Pick

Mit dieser freundlichen Worten begrüßt einen das Tonband meiner Versicherung.

Vorab: Meine Versicherung ist gut. Ich hab nicht nur eine, sie deckt auch einiges. Wenn man Geduld hat. Das Problem am amerikanischen Gesundheitswesen ist vor allem eines: Bürokratie. Im Land der Effizienz? Oh ja. Und zwar mit einem Zweck: Profit. Private Versicherungsunternehmen versuchen möglichst kompliziert zu sein, damit möglichst wenige Menschen möglichst wenig Geld bekommen. Das funktioniert so:

Ich habe einen Unfall. Nichts grobes. Ein Cut am Kinn, aber doch so tief, dass ich in die Notaufnahme fahre. Die College eigene Krankenstation hat nicht offen und würde mich ohnehin nur fragen, ob ich schwanger bin, um mir dann ein Schmerzmittel zu geben. In der Notaufnahme geht alles recht schnell. So schnell, dass sie nichtmal ein ordentliches Wartezimmer haben. Nach nicht mal 1 1/2 Stunden bin ich draußen und genäht. Damit hat der Spaß aber erst angefangen.

Ein Monat später flattert eine Rechnung ins Haus. 450 Dollar für 10 Stiche. Kein Problem, denke ich. Die Versicherung deckt das ab. Dass das Spital nicht gleich eine Rechnung an die Versicherung gestellt hat, ist wundersam, aber noch ahne ich die Verschwörung nicht, die hinter dem allen steckt. Mir bleibt nicht anderes übrig, als zu zahlen und gleichzeitig einen Claim an die Versicherung zu schicken.
Erstaunlich schnell kommt Antwort. Ein Brief, der abgesehen von Briefkopf kein Wort enhält, sondern nur eine Rechunung: 150 plus 100 ist 250. Aha. Ich rufe bei der Versicherung an. Der unfreundliche Herr erklärt mir, dass die Versicherung nicht zahlt, wenn der Kunde die Rechnung schickt. Dann rufe ich halt beim Spital an (das natürlich um 4 schon geschlossen hat und ich auf Montag warten muss). Dort sagt die Frau ohne Umstände, dass sie das natürlich machen können und mir das Geld sofort rücküberweisen, sobald die Versicherung gezahlt hat. Aber zur Sicherheit erstmal mich zur Kasse bitten und erst auf meine Initiative der Versicherung die Rechnung schicken – sehr supa.
Es kommt eine zweite Rechnung des Krankenhauses, die ich gewissenhaft ignoriere. Ich warte. Einige Wochen später kommt ein weiterer Brief der Versicherung. Selbes Konzept: Keine Worte, nur eine Zahl – diesmal wenigstens die Richtige. Ich warte. Das Geld ist noch nicht auf meinem Konto. Ich rufe bei der Versicherung an. Die Versicherung sagt, sie hat das Geld vor 2 Wochen überwiesen. Ich rufe im Spital an. Es ist nach 16 Uhr.

To be continued.

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