Ein Campus links der Mitte – Enhanced

by Yussi Pick

Hier der Artikel, den ich für derstandard.at geschrieben habe.
Ein paar Stellen sind der Zeichenzahl zum Opfer gefallen. Vor allem, um den Republikaner tut es mir leid:

Die beiden (Sam und Claire) stapfen mit einer Liste, die ihnen die Obama Kampagne zur Verfügung gestellt hat, durch das verschneite Wooster. Die ersten 30 Minuten haben sie kein Glück, dann endlich öffnet ein freundlicher, übergewichtiger Mann die Tür. Als Sam seinen Spruch aufsagen will, unterbricht er den Mathematikstudenten freundlich. Er ist Republikaner und hat seinen Kandidaten schon gefunden. Doch sogar er muss zu geben, dass Obama eine eindrucksvolle Kampagne fährt. Mit „Ist es nicht ein großartiges Land, in dem wir da leben“ verabschiedet er sich von den beiden Studenten. Sie ziehen ohne Murren weiter.

Ein weiterer Absatz hätte kurz die Problematik um die WählerInnengesetze und – registrierung angeschnitten:

Wie viele Studierende am 4. März tatsächlich zu Vorwahl gehen, kann niemand abschätzen. Die Tatsache, dass die WählerInnenregistration vor Super Tuesday zu Ende war ist genauso wenig förderlich wie die allgemeinen Wahlgesetze in Ohio. So ist der Campus in zwei Wahlbezirke geteilt und Studierende, die innerhalb des Campuses umzogen, mussten sich neu registrieren.

Die genauere Erklärung ist diese: Studierende haben keine eigene Adresse. Sie haben, wie ich auch, die allgemeine Adresse 1189 Beall Avenue. Zur Registrierung braucht man aber nicht nur einen Zettel mit der Adresse drauf, wie z.B. eine Gasrechnung, selbst wenn Studierende sowas hätten, wäre da drauf nur die Adresse des Studierendenzentrums. Sie brauchen also eine Spezifizierung, die ihnen der Dean des Colleges bestätigen kann. Nochdazu ist es so, dass Studierende jedes Jahr Studiheim wechseln und jedes dieser Heime natürlich eine andere Adresse hat. Das heißt dass sich die Studis neu registrieren lassen müssen. Dann brauchen sie noch ca. 4 unterschiedliche Dokumente, die beweisen, dass sie wirklich sie sind und dann dürfen sie wählen.
Hauptsache keine Meldepflicht. Wär ja viel zu viel Staat und nochdazu so ein administratorischer Aufwand!

Und dann kommt da noch ein Faktor dazu: Die Registrierung für die Vorwahlen war nämlich am Tag vor Super Tuesday zu Ende. Wer also davon ausgegangen ist, dass nach Super Tuesday sowieso alles gegessen ist, hat Pech gehabt.

Was sonst keinen Platz gefunden hat: Die religiöse Feministin, die ihr Engagement für Obama und ihre grundsätzliche liberale Welteinstellung mit Religion begründet. Die religiöse Studentinnenverbindlerin, die ihren Konservativismus mit Religion begründet. Der konservative, schwule Abtreibungsgegner und das registrierte Mitglied der Grünen hatten auch keinen Platz mehr. Übrigens gibt es von ersterem mehr als von letzterer.

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